In memoriam.
Sumo Clothing, 1998 - 2004 …..thanks to everybody involved!

Scrall to bottom to get some written information about the Sumo Clothing project.












Sorry! An english version will follow hopefully soon.
Sumo und so: Mehr Sein als Schein
Von Tina Schraml, November 2004
1.) Go skateboarding and be an asskicking girl (Claim 1998)
Schubladen Aufziehen – und Unordnung in vorhandene Strukturen bringen…
Sumo wurde in London geboren und in Kalifornien getauft. Ein Skatesommer in London war der Anfang, fünf wild gewordene Mädels rollten durch die Stadt und sponnen an der Idee eines eigenen Labels. Was als spaßiges Geprolle begann, verdichtete sich dann aber langsam zu einer persönlichen Vision. Die Grundidee zum Label war die Erkenntnis der Notwendigkeit. Denn als Nina Mitte der Neunziger mit dem Skaten begann, stellte sie nicht nur fest, dass es extrem wenige Frauen in diesem Genre gab, sondern auch das es für diese weder eigene Strukturen oder Leitbilder und schon gar keine passenden Klamotten gab. Im Jahr darauf brachte Nina den Namen für ihre Idee von einem Kalifornientrip mit nach Hause. Sumo sollte nicht nur eine lässige Alternative zu den spärlichen Girlie-Verschnitten der großen Skate- und Streetwearlabels werden, sondern auch interdisziplinär um mehr Selbstbewusstsein und Zuwachs für die rollende Frauenfront ringen. Ein textiles Plädoyer für mehr Sein als Schein.
„Die „alternative“ Skateszene ist ja viel mehr als nur skaten, das hat viel mit einer bestimmten, durchaus auch politischen Haltung, mit Straßenkultur, mit Musik zu tun. Früher wars Punk, dann eher hiphoplastig – inszwischen läuft es zweigleisig. Das ist schon immer alles eng verwoben gewesen. Das Interessanteste für mich dabei ist der grafisch-ästhetische Austausch, um den es auch sehr stark geht. T-Shirts und Skateboards eignen sich perfekt als Trägermaterial für Kunst und Siebdruck ist sowieso ne feine Sache! Sticker werden getauscht und T-Shirts gesammelt. Da das Medium ‚T-Shirt’ uns Mädels verwehrt blieb, weil es die guten Motive so gut wie nie in Größe S bis in die lokalen Skatshops schafften und die angebotenen Alternativen der Jungs-Companies - erstaunlicherweise konsequent rosa, mit Blümchen oder Schmetterlingen verziert und in Größen als wären sie für Föten gedacht - inakzeptabel waren, lag auf der Hand was folgte: die Selbsthilfegruppe ‚lässige Klamotte’.“ (Nina Braun - Gespräch November 2004)
2.) Don’t be a pussy, be a sumo (Claim 2002)
Klamotten Anziehen – und damit eine ganze Weltanschaung vortragen…
Nina hatte schon vor Sumo beim Aufbau des Indepentdent Vertriebs Welfare Distribution / Cleptomanicx mitgearbeitet. Das Angebot ihre Styles über die bestehenden Vertriebsstrukturen mitlaufen zu lassen war die Starthilfe, die One-women-Show Nina allerdings der Motor. Das Ziel: sporttaugliche Klamotten für Mädels mit rotzigen Claims und eigenwilligen Art-Works. So wie Nina auch im wahren Leben nie ein Blatt vor den Mund nimmt, wirbelt sie mit bildlichen Metaphern, die auf den ersten Blick oft einfach nur Spaß machen, aber bei nährem Hinsehen auch gern mal eine sozialkritische – oder selbstironische (‚sumuh*’) Komponente haben. Denn es zählt nicht nur was draufsteht, sondern auch was dahintersteht: Sich einmischen, Verantwortung übernehmen und Initiative ergreifen. Kontakte knüpfen, nicht weil es zum Business, sondern zum Leben gehört. Spass haben miteinander ist dabei oft die beste Grundlage für eine Zusammenarbeit, denn wer über dieselben Sachen lachen kann, beim dem ist meist auch die Weltanschauung eine verwandte. Und weil Nina so umtriebig an den weiblichen Netzwerken (www.sumogirls.de) um die Sumoidee gestrickt hat, schaffte sie es, ihre Klamotten mit einer Attitude zu stärken, die sie nur noch anziehender machen.
„Sumo sollte von Anfang an auch motivieren, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Man kann Labeling und Design so oder so nutzen. Mir ging es darum, die skatende Frauenfront zu stärken und klar zu machen, dass man nicht als kleine Skatebettie, die neben der Rampe sitzt und ihren Freund anhimmelt enden muss. Mit der Zeit hat sich über diese Idee ein festes Netzwerk gebildet.Wir haben ein eigenes Skateteam und ein unabhängiges Internet-Magazin aufgebaut und unterstützen Musikerinnen, DJs, Rapperinnen, Künstlerinnen und eine Boxerin.“ (Nina Braun – j’n’c-Interview Herbst 2002)
3.) Do work and it’s done, be drunk and it’s fun (Claim 2004)
Klamotten Ausziehen - und damit künstlerische Freiheit zurückgewinnen…
Wer einmal das Modebizz von innen betrachtet hat, weiss um die schwierige Gradwanderung zwischen Kunst und Kommerz. Auf diesem Grad balancierte auch die Sumo-Kollektion. Was 1998 als Trägermaterial für Ninas Art-Work - der eigentlichen Leidenschaft der ehemaligen Kunststudentin - startete, entwickelte sich bald zu einem kleinen Verkaufschlager. Die Schnitte wurden mit der Zeit ausgefeilter, die Kollektionen komplexer – die Probleme auch. Denn der Balanceakt, künstlerischen und sozialen Anspruch in Mode verpackt zum wirtschaftlichen Erfolg zu führen, ist eine Lebensaufgabe, die sich nicht so schnell auszahlt. Da Mode aber nie das Ziel, sondern nur das Medium war, ist der Geschäftsabschluss von Sumo Clothing kein Anfang vom Ende. Eher wohl das Ende vom Anfang. Denn Sumo ist keine reine Etikette, sondern eine Lebensauffassung - in welcher (Kunst)form auch immer. Das Leben ist voller Überraschungen. Sumo auch.
„So ganz aufgeben möchte ich die Idee Sumo aber nicht. Ist schließlich mein Baby wie man so blöd sagt. Deshalb werde ich auch in Zukunft unter dem Namen Sumo Sachen rausbringen. Die müssen aber nicht unbedingt textiler Natur sein. Können sie aber. Und wenn – dann klein, fein und direkt. Ohne Kollektionsdeadlines, Vororders und Vertreter. Ein Liebhaberlabel mit schwerst limitierten Auflagen, erhältlich über unseren Webshop oder direkt aus meinem Bauchladen. Jetzt freue ich mich aber erst einmal aufs Trickfilme kneten, Bilder malen, Puppen bauen, schweißen und was weiß ich. Die non-textiele pipeline ist mit Ideen zum Bersten gefüllt!“ (Nina Braun – Textauszug Frühjahr 2004)