Nina Brauns Welt ist die Welt des Analogen, die Lust am Material, die Hingabe an jedes einzelne Objekt, das aus ihrer ganz persönlichen Bildwelt heraus entsteht. Die Auseinandersetzung mit dem Material, meist Wolle oder Stoff, dient ihr als Basis für manchmal kindlich naive Einzelobjekte, die in einem langen und arbeitsintensiven Prozess entstehen. Und das ist, gemessen an unserem digitalen Zeitgeist, in dem dank Computertechnik die Ökonomisierung der Arbeitsweisen vorherrscht und Gedanken und Bilder ins Unendliche reproduzierbar sind, fast schon eine kleine Revolution.

Ihre Strick- und Näharbeiten entziehen sich radikal dieser Verwertbarkeit und jeglichen Nutzansprüchen. Sie stehen dem in ihrer selbstironischen und manchmal verträumten Art mit in sich ruhender Selbstgenügsamkeit gegenüber und benötigen keinen konzeptionellen Unterbau, der sie stützt. Denn so intuitiv, wie sie entstanden sind, so intuitiv werden sie vom Betrachter wahrgenommen und verstanden. Ihre Arbeiten evozieren Bilder aus der Kindheit und erinnern an die abstrakte Formgebung von Comichelden. Man findet in ihrer Kunst popkulturell-ästhetische Codes, auf die sich jeder beziehen kann.

Nachdem man den Drang überwunden hat, die samtweiche Oberfläche ihrer Näh- und Strickskulpturen zu berühren, wird man auf sich selbst zurückgeworfen und staunt ob der unermesslichen Genauigkeit und Hingabe, mit der Nina Braun ihre Arbeiten anfertigt. Bei Sie sind zugleich zugänglich und schwer einzuordnen. Das Material, die Formen, die Zitate - man erkennt sie wieder, doch in der von Nina Braun gebotenen ungewöhnlichen Kombination, entwickeln die einzelnen Teile eine fantasievolle Eigendynamik. Ihre Figuren wandern durch verschiedene Medien und sind einer stetigen Metamorphose ausgesetzt. Zunächst entstehen Zeichnungen, dann werden sie als Teil von Objekten und Skulpturen physisch greifbar, bevor sie schließlich in einer Animation zum Leben erwachen.

Nina Braun ist immer ihren eigenen Weg gegangen und hat sich stets die Strukturen geschaffen, die sie brauchte, um sich uneingeschränkt ihrem Schaffensdrang hinzugeben. So beschloss sie zum Beispiel mitten im Studium der bildenden Künste auf eigene Faust das Spektrum kreativer Möglichkeiten zu erforschen und in aller Freiheit zu ihrer ganz persönlicheren Auffassung von Kunst zu gelangen.

Als Ergebnis dieser Forschung und Suche ist ihre Kunst auf fantastische Weise in sich selbst versunken, wie ein imaginäres Universum, mit ganz persönlicher Bildsprache und gleichzeitig doch so familiär. Es ist schwierig, die Kunst von Nina Braun zu etikettieren. Sie fühlt sich keiner Richtung zugehörig, obwohl sie selbst zugibt, dass eben dieses Zugehörigkeitsgefühl auch viel Sicherheit bieten kann. Doch das wollte Nina Braun nie, denn weder gehört sie aufgrund ihrer Vorliebe für „frauentypische“ Handarbeiten zu einer „Strickbewegung mit politischer Agenda“, noch in die Urban Art-Ecke, zu der sie sich jedoch eher hingezogen und auch zugehörig fühlt. Vielleicht ist sie aber auch Vertreterin einer „modernen Hippiekunst“, wie sie selbstironisch andeutet?

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Text von Maike Moncayo / heliumcowboy artspace, verfasst anlässlich der Soloschau ‘Stick And Move’ im Mai 2008

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Hintergrund:

1998 gründete Nina Braun die erste (und immer noch einzige) Skateboard Company in Deutschland von und für Frauen. Die Idee dahinter war – neben der Beschaffung von properem Equipment – den völlig unterrepräsentierten Frauen in diese Sportart eine bessere Lobby zu verschaffen. Das Konzept ging auf und die kleine role model korrigierende Propaganda Maschine Sumo Clothing schaffte es schnell in Skateshops quer durch die Republik, sowie vereinzelt in der Schweiz, in Österreich, Italien und UK.
Zugleich bildete sich ein immer umtriebigeres Forum aus, in dem sich Frauen und Mädchen mit den unterschiedlichsten Talenten (wie rappen, dj’ing, Beats produzieren, boxen, Fußball spielen, tanzen, skaten natürlich, malen, schreiben, …) fanden und gegenseitig unterstützten. Common sense: Don’t be a Pussy, be a Sumo!
Nach 6 erfolgreichen Jahren im Label-Business, entschied sich Nina Ende 2004 trotzdem dafür aufzuhören. Vor allem weil sie wieder freier und kreativer Arbeiten können wollte - als Künstlerin, weniger als Designerin und vor allem nicht mehr als Geschäftsführerin einer Modefirma. Aber auch weil der Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und ihren eigenen politischen und künstlerischen Ansprüchen immer schwieriger wurde.

Sie bringt auch weiterhin manche ihrer Arbeiten unter dem Namen Sumo raus, dass müssen aber nicht mehr zwingend Textilien sein. Können es aber – wie zum Beispiel bei ihrem Projekt mit den gestrickten Turnschuhen: Sneak like a panther – Puschen for the cosy generation. Oder den Gobelinstickereien, applizierten Wollpostern und Molly Puppen.
Sie liebt es angeblich antiquierte und unemanzipierte Handarbeitstechniken mit modernen Inhalten aufzumischen. Ihr Ausgangspunkt bleibt die Straßenkultur.

Nina ist 32, lebt und arbeitet in Hamburg.

Nina ist 33, lebt und arbeitet in Hamburg.

Nina ist 34, lebt und arbeitet in Berlin.